Ein Interview mit Frieder Kircher, Vorsitzender des gemeinsamen Ausschusses Brandschutzaufklärung und -erziehung von DFV und vfdb
Redaktion des Aktionsbündnisses zum Schutz vor Küchenbränden:
Herr Kircher, laut Statistischem Bundesamt sind 61 Prozent der Brandtoten in Deutschland über 60 Jahre alt. Warum ist das Risiko für ältere Menschen so viel höher?
Frieder Kircher:
Das hat mehrere Gründe. Zum einen wohnen rund 95,6 % der Seniorinnen und Senioren selbstständig in Privathaushalten – viele davon allein. Gerade bei den über 75-jährigen Frauen leben etwa 60 % in Single-Haushalten. Das bedeutet: Im Brandfall ist oft niemand da, der schnell helfen oder die Feuerwehr rufen kann. Hinzu kommen altersbedingte Einschränkungen wie eingeschränkte Mobilität, Seh- oder Hörprobleme, die eine rechtzeitige Reaktion erschweren.
Redaktion:
Welche Rolle spielt dabei die Küche?
Kircher:
Eine sehr große. Die Küche ist der häufigste Entstehungsort von Bränden im Haushalt – insbesondere durch vergessene oder unbeaufsichtigte Kochvorgänge. Gerade beim Thema „Wohnen im Alter“ ist es daher entscheidend, die Küche altersgerecht zu gestalten. Eine altersgerechte Küche sollte nicht nur ergonomisch sein, sondern auch technische Hilfen bieten – etwa durch Herdüberwachungssysteme, die bei Gefahr warnen und, wenn keine Reaktion erfolgt, den Herd abschalten.
Redaktion:
Was können Angehörige oder Pflegekräfte tun, um die Sicherheit von Senioren zu erhöhen?
Kircher:
Zunächst einmal: Sensibilisieren. Viele ältere Menschen möchten selbstbestimmt leben im Alter, was absolut verständlich ist. Aber das bedeutet auch, dass man gemeinsam über Risiken sprechen und Lösungen finden muss. Technische Hilfsmittel wie Herdwächter, Rauchwarnmelder mit Alarmweiterleitung oder smarte Assistenzsysteme können helfen, altersgerecht zu wohnen und gleichzeitig sicher zu bleiben. Auch regelmäßige Besuche, Nachbarschaftshilfe oder die Einbindung in lokale Netzwerke sind wichtig – denn Hilfe im Alter beginnt oft im direkten Umfeld.
Redaktion:
Was raten Sie Kommunen oder Wohnungsbaugesellschaften?
Kircher:
Sie sollten das Thema Brandschutz für Senioren stärker in ihre Planungen einbeziehen. Das beginnt bei der altersgerechten Wohnungsgestaltung und reicht bis zur gezielten Brandschutzaufklärung. Informationskampagnen, Schulungen für Pflegepersonal und Kooperationen mit Feuerwehren können hier viel bewirken. Denn je besser die Menschen informiert sind, desto eher können sie sich schützen.
Redaktion:
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Kircher.

